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Tagesgruppenkonzeption

Heilpädagogische Tagesgruppen

 

 

 

Grundlage:                          § 32 / 35a SGB VIII

 

 

Zielgruppe:             

 

Die heilpädagogische Tagesgruppenbetreuung ist angezeigt, wenn komplexe verfestigte Problemlagen in einer Familie eine gesunde Entwicklung des Kindes verhindern, gefährden oder bereits geschädigt haben, wenn zur Lösung dieser Probleme ambulante Hilfen nicht ausreichen und wenn sie eine zeitweilige räumliche Trennung den Beteiligten die Möglichkeit für Entlastung und Neuorientierung bieten kann. Zielgruppe sind daher insbesondere verhaltensauffällige und entwicklungsverzögerte Kinder als auch Kinder, die seelisch behindert oder von seelischer Behinderung bedroht sind und adäquate Betreuung benötigen. Dabei muss gewährleistet sein, dass das Kind außerhalb der Tagesgruppenbetreuung in der Familie und im Umfeld ausreichend versorgt werden kann (Ressourcen), dass zwischen den Kindern und den Eltern Bindungen bestehen bzw. entstehen können, die ein Zusammenleben ermöglichen, und dass die Eltern sich grundsätzlich zur intensiven Einbeziehung in die Arbeit der heilpädagogischen Tagesgruppe bereit erklären.

 

 

Aufgaben / Zielsetzungen:

 

Die heilpädagogische Tagesgruppe gestaltet für die betreuten Kinder und Jugendlichen besondere Möglichkeiten der Verbesserung der sozialen Interaktionsfähigkeit und der Leistungsfähigkeit in verschiedenen Bereichen. Die Kinder und Jugendlichen sollen Selbstbewusstsein und positive Identität erwerben, die es ihnen möglich machen, Selbstverantwortung zu erlernen, Respekt vor der Individualität und Persönlichkeit des anderen, Bewusstsein für soziale Regeln und ein adäquates Lern- und Leistungsverhalten zu entwickeln. Sie sollen eine gemeinschaftsgerechte Verarbeitung von Impulsen wie Freude, Wut, Aggression einüben und so lernen, ihre eigenen Gefühle und Bedürfnisse ebenso wie die anderer Menschen wahrzunehmen, anzunehmen und damit umzugehen.

 

Darüber hinaus ergeben sich die individuellen Ziele für die einzelnen Kinder aus der besonderen Problemlage und der Biographie des einzelnen Kindes und seiner Familie.

 

Die Tagesgruppenbetreuung soll innerhalb der Familie die Kommunikations- und Beziehungsstruktur verbessern. Im Hinblick auf dieses Ziel hat die heilpädagogische Tagesgruppe auch die Funktion, die Familie von täglich wiederkehrenden Konflikten zu entlasten , beispielsweise im Zusammenhang mit der Hausaufgabenerledigung, die in die Zuständigkeit der heilpädagogischen Tagesgruppe übergeht.

Das wichtigste Ziel ist die vollständige Re-Integration der betreuten Kinder und Jugendlichen in ihre Familien bzw. in ihr soziales Umfeld.

 

 

Heilpädagogische Arbeitsweise

 

 

 

Die heilpädagogische Tagesgruppenbetreuung geht von einer individuellen Planung der Erziehung, Behandlung und Förderung für das einzelne Kind und den einzelnen Jugendlichen aus. Diese beruht auf einer sorgfältigen Anamnese der Probleme und legt fest, welche Art, mit welchen  Methoden und mit welcher voraussichtlichen Dauer auf welche Ziele hin gearbeitet werden soll. Dieser Behandlungsplan (siehe Anlage) wird fortlaufend überarbeitet in regelmäßigen Fallkonferenzen, bei denen die anamnestischen und diagnostischen Daten, die täglichen Beobachtungen in der Gruppe, Ergebnisse der Elternarbeit und des Lehrerkontaktes und alle anderen für das Kind und den Jugendlichen wichtigen Daten den Orientierungsrahmen bieten.

 

Die heilpädagogische Arbeit erfolgt in erster Linie in einer entsprechenden Gruppenarbeit, in der therapeutische Methoden integriert oder auch für einzelne Kinder und Jugendliche gruppenergänzend in Einzelförderung durch die Mitarbeiter des psychologischen/heilpädagogischen Fachdienstes durchgeführt werden.

(Querverweis: FACHDIENST)

 

Die Gruppe gilt als wichtigstes heilpädagogisches Element zum Erwerb von Gemeinschaftsfähigkeit und dem Erwerb sozialer Kompetenzen. Der Alltag ist deshalb von transparenten, klar überschaubaren Regeln, konsequenter äußerer Anleitung durch Bestätigung und Belohnung bei regelentsprechendem Verhalten sowie negativen Konsequenzen bei Regelverletzung gekennzeichnet, um dem Kind beim Aufbau einer verbesserten Selbststeuerung Orientierung geben zu können. Das Niveau sozialer und leistungsbezogener Anforderungen wird dabei an die individuelle Steuerungsfähigkeit des jeweiligen Kindes angepasst, sodass Anerkennung und Erfolg erlebbar sind und das häufig geringe Selbstwertgefühl verändert werden kann.

 

 

Eine weitere Hilfe, dem Kind Halt zu geben ist ein strukturierter Alltag, der feste wiederkehrende Einheiten umfasst. Alltagsaufgaben wie Pünktlichkeit, Aufräumen, Mittagessen, Hausaufgaben und Freizeitgestaltung werden in eine verlässliche Zeitstruktur gebracht (ggfs. Wochenplanung zur Eingewöhnung in regelmäßige Rhythmen). Das Feiern von kirchlichen Festen im Jahreskreis, sowie Geburts- und Namenstage sind ebenso Strukturelemente, wie die langfristige Ferienplanung (Ferienaktionen).

 

Im Zuge der erforderlichen Verselbständigung der Kinder und zum Erlernen sozialer Verantwortung werden die Betreuten in lebenspraktische Fertigkeiten eingeübt (kochen, einkaufen, ordnen, Hygiene…).

 

Die Zielgruppe der eingangs erwähnten Kinder ist aufgrund ihrer Erfahrungen in besonderer Weise auf Erziehung angewiesen, die ihnen Annahme, Vertrauen, Vorbild, Bestätigung und Orientierung vermittelt (personales Angebot).

Die positive Annahme (persönliches Anteilnehmen) des Kindes und der Aufbau tragfähiger Beziehungen (Bezugspersonenmodell) bilden neben der Qualifikation der Gruppenmitarbeiter (Störungswissen bzw. Störungsverständnis / Handlungsfähigkeit) die Basis für die tägliche Arbeit.

 

Ein entscheidender Schwerpunkt der heilpädagogischen Tagesgruppenbetreuung liegt in der Eltern- bzw. Familienarbeit, die verschiedene Formen annimmt. Dazu gehören persönliche oder telefonische Absprachen, Informationsbriefe, regelmäßige Beratungs- und Informationsgespräche mit Eltern bzw. Familien, bei Bedarf Hausbesuche, Elternabende, gemeinsame Feiern etc. Die erfolgreiche Eltern- bzw. Familienarbeit ist darauf angewiesen, dass die Eltern sich zur Zusammenarbeit verpflichtet sehen.

(Querverweis: ELTERNARBEIT)

 

 

Die Betreuer in der Tagesgruppe arbeiten ggfs. mit verschiedenen Hilfestellen zusammen, die mit den betreuten Kindern und Jugendlichen und deren Familien befasst waren bzw. befasst sind. Von besonderer Bedeutung sind dabei die einweisenden Jugendämter, Beratungsstellen u.ä. Diese Zusammenarbeit wird verwirklicht durch regelmäßigen Erfahrungsaustausch und gemeinsame fachliche Beratungen, Planungen und Absprachen.

Soll die Tagesgruppenbetreuung eines Kindes beendet werden, so wird der Ablösungsprozess frühzeitig eingeleitet und unter Berücksichtigung der individuellen Gegebenheiten überdacht und konzipiert.

Nach dem Austritt des Kindes  aus der Betreuung kann – bei Bedarf – eine andere angemessene Betreuungsform zwischen den am Hilfeprozess Beteiligten vereinbart werden.

 

 

Öffnungszeiten:

 

Die Tagesgruppe ist an ca. 220 Tagen während des Jahres geöffnet (incl. Festgelegter unterrichtsfreier Tage), an Schultagen grundsätzlich von 11.30 Uhr bis 17.30 Uhr, an unterrichtsfreien Tagen geschieht die Betreuung in Form von Ferienfreizeiten, Ganztagesunternehmungen u.ä.

In den Sommerferien ist die Tagesgruppe etwa vier Wochen geschlossen. Es wird erwartet, dass die Kinder und Jugendlichen der heilpädagogischen Tagesgruppe an den Ferienaktivitäten der Tagesgruppe teilnehmen.

Zur Orientierung erhalten Eltern, Kinder und Schule einen Öffnungsplan für die HPT, in dem die Öffnungstage des gesamten Schuljahres eingetragen sind (siehe Anlage).

 

 

 

Aufnahmeverfahren/Hilfeplanung:

 

Das allgemeine Aufnahmeverfahren/Hilfeplanung läuft über das zuständige Jugendamt. Dem Eintritt eines Kindes oder Jugendlichen in die heilpädagogische Tagesgruppe geht ein intensives Kontakt- und Informationsgespräch mit der Familie voraus, sowie eine gründliche Beratung mit den zuständigen Mitarbeitern des Jugendamtes und des Gruppenteams.

In der Regel soll der Aufnahmeentscheidung eine Hospitation des Kindes bzw. Jugendlichen in der heilpädagogischen Tagesgruppe vorausgehen.

Mit dem zuständigen Sozialdienst der Familie wird ein Hilfeplan gemäß § 36 SGB VIII erstellt, der u.a. die Bereitschaft zum regelmäßigen täglichen Tagesgruppenbesuch, zu Elterngesprächen in geregelten Abständen, zur Teilnahme der Kinder und Jugendlichen am Ferienprogramm der heilpädagogischen Tagesgruppe und zur Einhaltung der täglichen Betreuungszeiten enthält sowie den Beginn der Hilfe festlegt, sowie wesentliche Schwerpunkte der pädagogischen Betreuung und zudem einen zeitlichen Rahmen für die Maßnahme beinhaltet.

 

 

Querverweis: ELTERNARBEIT

 

 

 

 

Ein entscheidender Schwerpunkt der HPT – Arbeit liegt in der Eltern- bzw. Familienarbeit. Der Aufbau einer konstruktiven Beziehung zu den Eltern bzw. zu Elternteilen ist deshalb von besonderer Bedeutung.

 

 

 

Formen der Elternarbeit sind:

 

  • Persönliche oder telefonische Absprachen (tägliche Telefonzeit – Möglichkeit) von 11.00 Uhr bis 12.00 Uhr, sowie bei Bedarf im Rahmen der täglichen Rückfahrt in Elternhaus (bei HPT – Kindern).
  • Informationsbriefe/Einladungen zu Festen/Feiern
  • Regelmäßige Beratungs- und Informationsgespräche (ca. vier-wöchentlich)
  • Hausbesuche (sofern Termine in der Einrichtung nicht wahrgenommen werden)
  • Thematische Elternabende
  • Einbindung in die halbjährlichen Hilfeplangespräche

 

 

 

Ausgehend vom Auftrag der Eltern, mit ihrem Kind einen großen Teil des Tages zu verbringen und an einer Lösung der als schwierig betrachteten Symptomatik des Kindes zu arbeiten, lassen sich folgende Schwerpunkte der Elternarbeit formulieren:

 

  • Die Erziehungsverantwortung bleibt bei den Eltern. Dazu gehört generell die elterliche Sorge für Essen, angemessene Kleidung und bedarfsgerechtes Wohnen (eigenes Bett für das Kind, Spielmöglichkeiten), ebenso eine ausreichende emotionale Basis in der Beziehung zum Kind.
  • Die Bereitschaft und Motivation zur Zusammenarbeit mit der HPT muss gegeben sein. Das regelmäßige „Vergessen“ von Gesprächsterminen und Absprachen muss reflektiert und zum Positiven verändert werden können.
  • Bei schwierigen Problemlagen wird die Arbeit ggfs. auf verschiedene Mitarbeiter der HPT verteilt (z.B. Wahrung von Parteilichkeit). In Fallgesprächen müssen die unterschiedlich gewonnenen Sichtweisen zusammengeführt und Handlungsstrategien entwickelt werden.
  • Es ist Aufgabe der HPT – Mitarbeiter auf der Grundlage von Akzeptanz das konkrete familiäre System verstehen zu lernen und sich selbst dann als Beobachter, Spiegel oder auch als Regulativ für familiäre Prozesse einzubringen.
  • Methoden und Ziele der Elternarbeit müssen an den Ressourcen der Familie ausgerichtet sein, auch das weitere systemische Umfeld des Kindes muss beachtet werden, evtl. zusätzliche Hilfen müssen im Hilfeplanverfahren angesprochen bzw. vereinbart werden.

 

 

 

Querverweis: FACHDIENST

 

 

 

Der gruppenübergreifende Fachdienst ergänzt und begleitet die Gruppenpädagogik. Durch zusätzliche einzelbetreuende Maßnahmen sollen Interventionen ermöglicht werden, die durch die Gruppenmitarbeiter wegen ihrer spezifischen Rolle oder der Notwenigkeit einer zeitlich intensiven Begleitung nicht geleistet werden kann.

 

 

Aufgabengebiete des Fachdienstes sind vorrangig:

 

  • Wtl. Teamberatung
  • Begleitung von Fallbesprechungen
  • Teilnahme an Hilfeplangesprächen bei Bedarf
  • Elternberatung (nach Absprache)
  • Einzel- oder Kleingruppenarbeit mit Kindern
  • Abklärung von Vorab – Anfragen (Datenerhebung)
  • Diagnostik (soweit intern möglich / Erstellung Anamnese in Zusammenarbeit mit Intensiverzieher)
  • Dokumentation der einzelnen Prozesse

 

 

 

Kriterien für die Übernahme heilpädagogischer Einzelbetreuung

eines Kindes sind insbesondere:

 

  • eine zeitlich sehr intensive, klar umrissene Förderung bei Teilleistungsstörungen
  • eine therapeutisch orientierte Einzelarbeit, die die Gruppenmitarbeiter wegen ihrer speziellen Rolle nicht selbst wahrnehmen können (Parteilichkeit)
  • spieltherapeutische Einzelarbeit bei besonderer Indikation

 

 

 

Die Übernahme der Elternarbeit durch den Fachdienst erfolgt in den Fällen, in denen die Gruppenmitarbeiter aufgrund ihres Auftrages – Vertreter des Kindes – in Kollision mit der Rolle als Elternberater geraten.

 

Die Delegation der Einzelaufgabe an den Fachdienst erfolgt in Absprache und im Auftrag der Gruppenleitung im Gesamtteam. Die Zuständigkeit der Gruppenmitarbeiter für die jeweiligen Kinder (Bezugspersonenmodell) bleibt bestehen.

 

Sofern der Mitarbeiter des Fachdienstes externe Fördermaßnahmen diagnostiziert hat, werden diese Überlegungen in einem gemeinsamen Hilfeplangespräch mit dem Kostenträger erörtert und ggfs. eingeleitet.

 

 

 

 

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